|
„Sind Sie etwas länger unterwegs? – Ja? Dann mache ich etwas mehr Wasser in die Tüte!“ Solche oder ähnliche Aussagen konnte ich schon öfter
selbst in ausgewiesenen Fachgeschäften hören. Aber wie „macht“ man es richtig? Was sollte man beim Transport von Fischen in den verschiedenen Gefäßtypen und besonders in Tüten beachten?
Der Transport von Fischen führt unter Aquarianern immer wieder zu Diskussionen darüber, welche Methode denn die richtige sei. So schwören viele
darauf, die Fische nur in stabileren, starrwandigen Gefäßen zu transportieren, während andere den Fischtransport in Kunststofftüten vorziehen. In welchem Gefäß man die Fische auch transportieren möchte – einige
wichtige Punkte sind zu beachten:
Schon aus Tierschutzgründen sollten die Transportbehälter so beschaffen sein, dass sie dem Fisch unterwegs möglichst wenig Stress bereiten und
die Tiere nicht versehentlich in einer Ecke eingeklemmt oder verletzt werden können. Man wird die Fische möglichst dunkel und gegen Bewegungen und Schütteln geschützt transportieren. Selbstverständlich ist auch
dafür zu sorgen, dass der Transportbehälter thermisch isoliert ist. Wichtig ist es weiter, die Tiere vor einem längeren Transport auskoten zu lassen, damit das Wasser nicht unnötig stark verschmutzt. Eine Zugabe von
Pflanzen oder Versteckmöglichkeiten ist, abgesehen von einigen Spezialfällen, nicht nötig und in manchen Fällen sogar hinderlich, da die Pflanzen im Dunkeln zusätzlich Sauerstoff verbrauchen.
Transportiert man die Fische in offenen Gefäßen, in denen die Luft mehr oder weniger ungehinderten Zutritt hat, so braucht man sich meistens um
eine Durchlüftung oder eine Bewegung des Wassers zum Zweck des Gasaustausches keine Sorgen zu machen.
Erfolgt der Transport der Tiere hingegen in verschlossenen Gefäßen, sollte man sich Gedanken über maximale Besatzdichte,
Sauerstoffverbrauch der Tiere, Sauerstof-fverfügbarkeit im Transportgefäß und maximale Transportdauer machen.
Der Sauerstoffverbrauch von Fischen ist von Art zu Art verschieden, so dass man hier keine allgemein gültigen Aussagen treffen kann. Kleine
Fische benötigen, auf das Körpergewicht bezogen, mehr Sauerstoff als große Fische. Allgemein steigt der Sauerstoffverbrauch von Fischen (wie der von allen wechselwarmen Organismen) mit steigender Temperatur oder mit
steigender Aktivität. Man sollte also auch unter dem Gesichtspunkt des Sauerstoffverbrauchs die Fische trotz thermischer Isolationsmaßnahmen nicht zu warm und möglichst stressfrei transportieren. Man kann das
Transportgefäß, meistens eine Tüte aus Kunststoff, mit Luft oder mit reinem Sauerstoff befüllen.
Je nach Verhältnis von Transportwasser zum zusätzlichen hinzugegebenen Gas (Luft oder Sauerstoff) stellt sich ein gewisser Sauerstoffgehalt ein,
von dem die Fische während des Transports zehren können, ohne auf Luftatmung zurückgreifen zu müssen, wie es einige Welse können.
Im Hinblick auf den Sauerstoffverbrauch und die Sauerstoffverfügbarkeit in der Tüte ist auch darauf zu achten, das Verhältnis von Luft und
Wasser auf ungefähr 2:1 bis 3:1 einzustellen. Die Sauerstoffkonzentration in Luft kann bei gleicher Temperatur und gleichem Sauerstoffpartikeldruck ungefähr 25-fach höher sein als in Wasser. In einem geschlossenen
Transportbeutel diffundiert der Sauerstoff aus der Luft in das Wasser und kann von den Fischen veratmet werden. Der Sauerstoffgehalt nimmt zwar in Tüten, in denen mehr Luft (oder Sauerstoff) als Wasser ist, genauso
schnell ab, doch ist der Vorrat von Anfang an größer und hält deshalb länger, bis ein kritischer Gehalt erreicht ist. Man braucht auch keine Angst zu haben, dass sich Kohlendioxid über dem Wasser in einem dünnen
Film absetzt und so den Zutritt von Sauerstoff in das Wasser verhindert, wie ich vor nicht allzu langer Zeit in einem Buch für Teichwirte lesen konnte (Geldhauser & Gerster 2003).
Beim Transport vom Züchter zum Großhandel sowie bei professionellen Versendern werden bisweilen dem Transportwasser Medikamente in geringer
Konzentration zugesetzt, die die Fische beruhigen um so den Sauerstoffverbrauch zusätzlich um mehr als die Hälfte herabsetzen. In einer wissenschaftlichen Publikation wurden dazu kontrollierte Versuche durchgeführt,
um den Transport von Fischen zu optimieren Lim et al. 2003). Fische hier Guppys als Modellsystem, wurde in unterschiedlichen Besatzdichten in handelsüblichen Transporttüten unter Zugabe von reinem Sauerstoff
verpackt. Die Tüten selbst – eine große Stichprobe von 104 Tüten, wie es sich für eine wissenschaftliche Untersuchung gehört – wurden wiederum in Styroporboxen eingepackt und nach einiger Zeit der Transportzeit
entsprechend, geöffnet. Anschließend wurden verschiedene Wasserparameter kontrolliert. Es stellte sich heraus, dass die Sauerstoffverfügbarkeit – gab man nicht zu viel Wasser in die Tüten – nicht das Hauptproblem
beim Transport darstellt, sondern eher die Anreicherung von Kohlendioxid und Stoffwechselprodukten, hier vor allem Ammoniak und Ammonium.
Das Transportwasser war auch noch nach einem simulierten 40-stündigem Transport von 100 Guppys – das entspricht 35 Gramm Guppy – je Liter Wasser
mir Sauerstoff übersättigt (im Mittel 18,5 Milligramm pro Liter [mg/l] O2 bei 27,3°C), wobei aber der pH-Wert wohl aufgrund der hohen Kohlendioxidkonzentration (in der Arbeit leider nicht gemessen) auf im Mittel 6,17 sank. Die Ammonium-Konzentrationen stiegen – kein Wunder bei dieser Fischdichte – sehr stark an, im Mittel auf 28,3 mg/l. Eine Zugabe verschiedener Substanzen, wie Vitamin C (Lim et al. 2002) oder Kochsalz, um osmotischen Stress zu minimieren, zeigte signifikante Verbesserungen in der Überlebensrate der Importtiere, sollte aber Profis vorbehalten sein.
In letzter Zeit scheinen auch bei Aquarianern besondere Transporttüten in Mode zu kommen, die aufgrund einer höheren Sauerstoffdurchlässigkeit
des Tütenmaterials eine Sauerstoffversorgung allein durch Diffusion durch die Tütenwände versprechen und auch gewährleisten. Das oben geschilderte Problem der Anreicherung von Kohlendioxid, die wiederum die
Sauerstoffverbindungseigenschaften von Blut beeinträchtigen kann (Penzlin 2005), träte daher nicht auf.
Es ist seit längerem bekannt, dass verschiedene Tütenmaterialien, wie PET, Polyethylen, Polyurethan oder Polypropylen, unterschiedliche
diffusible Eigenschaften für Gase aufweisen und, eine genügend große Oberfläche vorausgesetzt, allein durch Diffusion die Sauerstoffver- und die Kohlenstoffentsorgung des Wassers im Transportbeutel gewährleisten
können. Voraussetzung dafür ist aber, dass der Sauerstoffpartikeldruck in der Tüte zunächst abnimmt, damit sich ein Gradient zwischen der Außenluft und der Tüte bildet, der die Versorgung ermöglicht. Ob sich jedoch
diese Tüten für den Versand im Großhandel eignen, ist anzuzweifeln.
Für den Aquarianer bleibt nach wie vor die bewährte, in den Ecken abgerundete, mit einem externen Sichtschutz und einer Wärmeverpackung
versehene Polyethylentüte das Mittel der Wahl zum Transport über wenige Stunden.
Wenn der Verkäufer im Fachgeschäft dann noch darauf achtet, dass das Verhältnis von Luft zu Wasser ungefähr 2:1 bis 3:1 beträgt, dann besteht
auch, vor allem bei geringer Besatzdichte keine Notwendigkeit, für die Verpackung zusätzlich reinen Sauerstoff zu verwenden.
|